„Zieh jetzt endlich die Hose an.“
„Ich mag nicht.“
„Warum nicht? Willst du ohne Hose hingehen?“
„Ich will überhaupt nicht hingehen. Egal ob mit oder ohne Hose! Wir sagen das Ganze einfach ab.“
„Bist du verrückt geworden? Ich dachte, du freust dich drauf?“
„Tu ich nicht.“
„Wieso das denn plötzlich?“
„Na, so halt. Ich kann das einfach nicht.“
„Das hättest du dir aber auch früher überlegen können.“
„Hab ich aber nicht.“
„Schluss jetzt! Wir fahren in zehn Minuten, also zieh dich an!“
„Nein!“
„Doch!“
„Nein!“
„Du hast die Wahl. Geh von mir aus ohne Hosen hin. Es ist deine Hochzeit!“
Die Nicht-Stricker und -innen unter Ihnen werden es nicht wissen, aber viele Strickmodelle haben Namen. Die Tradition scheint aus dem angloamerikanischen Raum zu stammen, jedenfalls habe ich noch keine englischsprachige Anleitung ohne Namen gesehen. Der Pullover, den ich für Herrn Spektakel nach einer britischen Vorlage gestrickt habe, hieß übrigens Jack.
Die Strickjacke, die ich derzeit nadele, heißt Freja. Die Bordüre vorn ist nämlich den alten Wikingern abgeschaut. Abgesehen von der Bordüre ist die Arbeit allerdings... nun ja... nicht sehr spannend.
Glatt rechts mit Nadelstärke 3 und einfarbigem Garn, das geht schon an die Substanz.
Damit Sie sich eine Vorstellung davon machen können, zeige ich Ihnen hier mal das rechte Vorderteil, wie es derzeit auf einer Styroporplatte ruht und sich glättet. Das linke tut es ihm gleich. Das Rückenteil ist danach dran, und bis das dann wieder trocken ist, habe ich vielleicht schon den ersten Ärmel fertig.
Wichtige Entscheidungen sind getroffen. Aber für die nächsten Schritte ist es noch zu früh. Darum warte ich ab, halte den Mund, und wünsche mir, dass das auch alle die tun, die wissen, worum es hier geht.
Naja. So richtig zündet es nach wie vor nicht. Aber immerhin gab es kein neues Tief in der letzten Woche. Ist doch schon mal was. Ich bin weiter zuversichtlich.
Und irgendwann hab ich auch mal das Glück, sowas wie Repower zu erwischen. Hätt ich neulich nur mal zugegriffen...
Ich gestehe, ich habe mir gestern strickenderweise den Bundesvision Song Contest reingezogen. Das meiste war Schrott. Wenn ich das mal in eine Rangliste der Schrecklichkeiten bringen sollte, würde das in etwa so aussehen:
Platz 5: Die bekifften Privatradiomoderatoren, die sich selbst unheimlich lustig fanden. Muss man ihnen aber auch zugestehen. Sonst tut es ja keiner. Ich bin bekennender WDR-5-Hörer. Halligalli-Radio kann ich nicht ab.
Platz 4: Herr Verspätung. Quäk quäk. Pfui Deibel. Ich hätt mich in den Hintern gebissen, wenn der gewonnen hätte. Darum hab ich auch nicht für ihn angerufen. Ok, ich hab für überhaupt niemanden angerufen, aber wenn, dann hätte ich nicht ihn gewählt.
Platz 3: Die spannende Punktevergabe-Zeremonie. Mein Gott, es sind neue Punkte reingekommen, und da hat sich was getan. Am besten lesen wir alle 5 Minuten den aktuellen Punktestand vor, weil man das am Fernseher zuhause bestimmt nicht so gut sieht auf der Grafik.
Platz 2: Herr äh Raab. Man kennt das ja von ihm. Äh. Aber gestern fand ich es besonders schlimm. Nur noch von einer getoppt:
Platz 1: Wer bitte war diese Frau? Moderatorin mag ich nicht sagen, das wäre nämlich gelogen. Nicht nur, dass sie dreimal mehr Ähs fabriziert hat als Herr Raab, nein, die Sätze drumherum waren auch meist ziemlich Banane. Aber schön, dass sie uns ihre Bettwäsche vorgeführt hat. Das, was sie da anhatte, war doch ein umfunktionierter Kopfkissenbezug, oder?
Nun ja, hauptsache ein breites Grinsen in die Kamera gehalten ("hallo Mama, guck mal, ich bin im Fernsehen").
Weswegen der Abend trotzdem schön war?
1. bin ich ein gutes Stück an meiner Strickjacke weiter.
2. Es gab einen klasse Siegertitel. Wenn ich angerufen hätte, hätt ich den gewählt.
Danke!
Du bist leider glaubich erst der Dritte oder so :)
Florian (Gast) - 15. Feb, 16:26
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